Qualifizierte Suchtprävention in der stationären Jugendhilfe
Erprobte Konzepte, Materialien und Praxiserfahrungen aus dem QuaSiE-Projekt (2016-2021)
Was braucht Suchtprävention in der stationären Jugendhilfe?
Junge Menschen in stationären Einrichtungen bringen häufig mehrfache Belastungen mit, z. B. familiäre Suchterfahrungen, psychische Belastungen, Bindungsstörungen, Gewalterfahrungen oder instabile Beziehungen. Damit verbunden ist oft ein erhöhtes Risiko für eigenen Substanzkonsum, das pädagogische Fachkräfte vor anspruchsvolle Fragen stellt.
Qualifizierte Suchtprävention bedeutet mehr als Einzelaktionen oder reine Wissensvermittlung. Sie zielt darauf ab, Schutzfaktoren zu stärken, Risikofaktoren zu reduzieren und suchtbezogene Themen frühzeitig, reflektiert und konstruktiv im pädagogischen Alltag aufzugreifen. Wirksam ist sie dann, wenn sie strukturell verankert, beziehungsorientiert und alltagsnah gestaltet wird.
Im Kontext der stationären Jugendhilfe heißt das, dass Fachkräfte:
- suchtbezogene Themen sichtbar wahrnehmen,
- Gespräche angemessen und nicht moralisierend führen,
- Prävention im Alltag verankern und
- in der Organisation sprach- und handlungsfähig sind
Strukturen mitdenken
Qualifizierte Suchtprävention verbindet Verhaltens- und Verhältnisprävention. Neben der Arbeit mit jungen Menschen richtet sie den Blick auch auf die Bedingungen in der Einrichtung – zum Beispiel auf Leitbilder, Regeln, die pädagogische Haltung im Team, Aufnahmeverfahren und organisatorische Abläufe.
Erklärvideos
Materialien für die Praxis
Die zentralen Ergebnisse des Projekts QuaSiE sind die aufeinander aufbauenden Publikationen „Nah dran“ und „Dranbleiben“, die für die Praxis der stationären Jugendhilfe entwickelt wurden.
- Nah dran fokussiert die Grundlagen, die Besonderheiten der jungen Menschen in diesem Setting sowie verhältnispräventive Ansätze.
- Dranbleiben bietet praktische Einblicke durch die Jugend- und Suchthilfefachkräfte, vertieft einige Aspekte und ergänzt verhaltenspräventive Ansätze.
Die Broschüren können kostenfrei bestellt werden per E-Mail an Jörg Körner: joerg.koerner@lwl.org.
Praktische Methode für Einzel- und Gruppenarbeit
Kartenset "Genuss? Rausch? Und was denkst du?" (aktuell vergriffen)
Dieses Kartenset unterstützt die Auseinandersetzung mit den Themen Genuss, Rausch und Konsum im Einzel- und Gruppensetting. Es eignet sich als Gesprächsanlass, zur Reflexion und für pädagogische Gruppenangebote.
Das Kartenset basiert auf Bildern aus einem projektbegleitenden Fotowettbewerb und wurde als Methode für die pädagogische Praxis aufbereitet.
Weitere Videoimpulse zur Praxis
Die folgenden Videos geben Einblicke aus beteiligten Einrichtungen und zeigen unterschiedliche Perspektiven auf Suchtprävention in Einrichtungen der stationären Jugendhilfe.
Aus der Forschung
Studie in drei Einrichtungen der stationären Jugendhilfe des LWLs durch FOGS (2014).
Eine im Vorfeld des QuaSiE-Projektes durchgeführte Studie zum Konsumverhalten junger Menschen in drei Einrichtungen der stationären Jugendhilfe in Westfalen-Lippe machte deutlich, dass:
• Substanzkonsum ein relevantes Thema im Einrichtungsalltag ist
• Fachkräfte häufig Unsicherheit im Umgang damit erleben
• strukturelle Präventionsansätze fehlen
Hier können Sie die Studie herunterladen: Suchtmittelkonsum und suchtbezogene Problemlage von Kindern und Jugendlichen in stationärer Jugendhilfe (PDF).
Dokumentation & Projektberichte
In diesem Bereich finden Sie Berichte zur wissenschaftlichen Begleitung durch FOGS und zum Projektverlauf von QuaSiE 1.0 und 2.0. Die Berichte dienen der fachlichen Einordnung und Nachvollziehbarkeit des Projekts.
Fachartikel & weiterführende Literatur
Die folgenden Veröffentlichungen sind im Zusammenhang mit dem Projekt QuaSiE entstanden und vertiefen einzelne Aspekte von Suchtprävention in der stationären Jugendhilfe.
- Kleinat, R. (2024). Suchtprävention in der stationären Jugendhilfe. In: Stöver & Hößelbarth (Hrsg.). Drogenpraxis, Drogenpolitik, Drogenrecht. Handbuch für Substanzgebrauchende, Fachkräfte in Beratung und Behandlung, Mediziner:innen, Jurist:innen und Politiker:innen (S. 199-212). Idstein: Schulz-Kirchner.
- Schmitz-Remberg, T., Steffens, R. & Bruchmann, G. (2020). Das Netz enger knüpfen für die Risikogruppe der Heimkinder. Blau – Das Magazin für Sucht- und Lebensfragen, 4/2020: 32-33.
- Schmitz-Remberg, T. & Steffens, R. (2020). Struktur statt Anlass: Was braucht es, damit Suchtprävention fester Bestandteil der stationären Jugendhilfe sein kann? Evangelische Jugendhilfe, 97(5): 36-41.
- Schmitz-Remberg, T. & Steffens, R. (2020). Suchtprävention in der stationären Jugendhilfe lohnt sich. Jugendhilfe aktuell, 17(1): 74-75.
- Schmitz-Remberg, T. & Steffens, R. (2020) Was braucht es, damit Suchtprävention selbstverständlich wird? Qualifizierte Suchtprävention in Einrichtungen der stationären Jugendhilfe. Jugendhilfereport, 4/2020: 47-50.
- Schmitz-Remberg, T., Steffens, R. & Bruchmann, G. (2018). Suchtprävention in der stationären Jugendhilfe – eine Frage der Haltung? Suchtmagazin 44(4): 39-42.
- Steffens, R., Schmitz-Remberg, T. & Bruchmann, G. (2017). QuaSiE – Qualifizierte Suchtprävention in Einrichtungen der stationären Jugendhilfe. Evangelische Jugendhilfe 94(4): 208-213.